Polycystisches Ovarialsyndrom behandeln mit Akupunktur und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM)
Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter, die durch unregelmäßige Menstruationszyklen, übermäßiges Haarwachstum, Akne und polyzystische Ovarien gekennzeichnet ist. Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) bietet eine alternative Behandlungsmethode für PCOS, die auf jahrtausendealten Prinzipien und Praktiken basiert und heute gute Erfolge in der Behandlung vorzuweisen hat.
Prinzipien von TCM bei PCOS
In der TCM wird PCOS als eine Disharmonie im Körper betrachtet, oft im Zusammenhang mit einer Stagnation von Qi (Lebensenergie) und Blut, Hitze sowie einer Ansammlung von Feuchtigkeit und Schleim oder einer Kombination von mehreren dieser Faktoren entsteht. TCM zielt darauf ab, den Körper ins Gleichgewicht zu bringen und die zugrunde liegenden Ursachen der Symptome zu behandeln.
Diagnostik
Die Diagnose in der TCM basiert auf einer umfassenden Untersuchung, die Zungen- und Pulsdiagnose sowie eine detaillierte Anamnese umfasst. Die Symptome von PCOS werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, um spezifische Behandlungsstrategien zu entwickeln. Zu den häufig identifizierten Mustern gehören:
Leber-Qi-Stagnation: verursacht durch emotionalen Stress und führt z.B. zu unregelmäßigen Menstruationszyklen.
Hitze: zeigt sich in Rötungen, Entzündungsneigung, Akne, rote Zunge, schneller Puls.
Milz-Qi-Schwäche und Feuchtigkeit: führt zu Gewichtszunahme, Müdigkeit und einem Gefühl der Schwere.
Nieren-Yang-Mangel: resultiert in Kälteempfindlichkeit, Rückenschmerzen und Unfruchtbarkeit.
Behandlungsmethoden
Chinesische Kräutermedizin bei PCOS
Kräutertherapie ist eine zentrale Komponente der TCM-Behandlung von PCOS. Individuell angepasste Kräuterrezepturen werden verschrieben, um die spezifischen Ungleichgewichte zu korrigieren. Häufig verwendete Kräuter sind beispielsweise:
Dang Gui (Angelica sinensis): zum Nähren von Blut und Förderung der Durchblutung.
Bai Shao (Paeonia lactiflora): zur Regulierung der Menstruation, zum Nähren von Blut und Erweichung der Leber
Cang Zhu (Atractylodes): zur Beseitigung von Feuchtigkeit und Stärkung der Milz
und andere
Akupunktur bei PCOS
Akupunktur wird eingesetzt, um den Energiefluss im Körper zu harmonisieren und Blockaden zu lösen. Studien haben gezeigt, dass Akupunktur die Hormonspiegel ausgleichen, den Menstruationszyklus regulieren und die Insulinresistenz verbessern kann. Bestimmte Akupunkturpunkte, wie SP6 (Sanyinjiao) und CV4 (Guanyuan) und andere, werden häufig bei der Behandlung von PCOS verwendet.
Ernährungstherapie bei PCOS nach TCM
Eine ausgewogene Ernährung ist in der TCM ebenso von Bedeutung. Bei PCOS wird eine Ernährung empfohlen, die Feuchtigkeit reduziert und die Verdauung stärkt. Lebensmittel wie Vollkorngetreide, grünes Blattgemüse und fettarme Proteine sind förderlich. Der Verzehr von kalten und rohen Speisen sowie zuckerhaltigen und fettigen Lebensmitteln sollte vermieden werden.
Lebensstiländerungen
TCM legt großen Wert auf einen harmonischen Lebensstil. Regelmäßige Bewegung, Stressreduktion durch Techniken wie Tai Chi oder Qi Gong und ausreichend Schlaf sind wesentliche Bestandteile der Behandlung.
Die Behandlung von PCOS mit traditioneller chinesischer Medizin bietet eine ganzheitliche Alternative zur konventionellen westlichen Medizin. Durch die Kombination von Kräutermedizin, Akupunktur, Ernährungstherapie und Lebensstiländerungen zielt TCM darauf ab, die zugrunde liegenden Ursachen von PCOS zu behandeln und den Körper ins Gleichgewicht zu bringen.
Biomedizinische Kenntnisse über PCOS
Ursachen und Pathophysiologie
Die genauen Ursachen von PCOS sind bisher nicht vollständig geklärt, es wird jedoch angenommen, dass genetische, hormonelle und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen. Eine zentrale Rolle scheint die Insulinresistenz zu spielen, die häufig bei betroffenen Frauen auftritt und zu einer Hyperinsulinämie führt. Diese erhöhten Insulinspiegel verstärken die Androgenproduktion in den Ovarien, was zu den charakteristischen Symptomen führt. Die Hyperandrogenämie kann wiederum die normale Follikelreifung stören, was zu einer seltenen oder gar ausbleibenden Ovulation führt.
Klinische Merkmale
Frauen mit PCOS können eine Vielzahl von Symptomen aufweisen, die in ihrer Ausprägung variieren können. Zu den häufigsten gehören:
Menstruationsstörungen: Unregelmäßige Menstruationszyklen, Oligomenorrhoe oder Amenorrhoe (seltener oder gar ausbleibender Eisprung) sind häufig. Ausbleibender Eisprung ist meist ein wichtiger Grund für Infertilität der betroffenen Frauen.
Hyperandrogene Symptome: Dazu gehören Hirsutismus (übermäßiger Haarwuchs im Gesicht und am Körper), Akne und androgenetische Alopezie (Haarausfall nach männlichem Muster).
Polyzystische Ovarien: Diese können durch Ultraschall nachgewiesen werden und sind durch vergrößerte Ovarien mit zahlreichen kleinen Follikelzysten gekennzeichnet.
Langzeitkomplikationen
Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für eine Reihe von Langzeitkomplikationen, darunter:
Metabolisches Syndrom: Insulinresistenz kann zu Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie und Bluthochdruck führen.
Kardiovaskuläre Erkrankungen: Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist erhöht.
Endometriumkarzinom: Anhaltende Anovulation kann zu einer Hyperplasie des Endometriums und einem erhöhten Risiko für Endometriumkarzinome führen.
Medikamentöse Therapie
Orale Kontrazeptiva zur Regulierung des Menstruationszyklus und zur Reduktion der Androgenwirkung, Metformin zur Verbesserung der Insulinsensitivität und Antiandrogene zur Behandlung von Hirsutismus und Akne.
Quellen TCM:
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